Technikbarock - wie viel Funktion erträgt ein Gegenstand?

Der Funktionsumfang softwaregesteuerter Geräte wird immer größer. Die Miniaturisierung elektronischer Komponenten und die steigende Leistungsfähigkeit von Akkus bewirken daneben die Verschmelzung verschiedener Medien. Das Angebot an neuen Servicediensten nimmt praktisch täglich zu.

 

»Sense and simplicity« Zugegeben, es klingt so einfach und selbstverständlich: Sinnvoll und einfach soll Technik sein, damit sie wirklich dem Menschen dient und nicht Selbstzweck ist. Sie soll das Leben leichter machen, und das mit möglichst wenig Aufwand und ohne große Anstrengung. Schwer vorzustellen, dass hier jemand widersprechen möchte.

 

Doch wie sieht die Realität aus? Sind wir nicht frustriert von den fehleranfälligen Geräten, die uns umgeben und unseren Alltag begleiten, enttäuscht von einer Industrie, die behauptet, sich in der Schnelligkeit der Innovationen permanent selbst zu übertreffen – der Benutzer die Innovation jedoch nicht nutzen kann?

 

Diese Beobachtung führte zu folgenden Fragen: Welche Faktoren bedingen die beschriebene Situation des frustrierenden Anwenders? Und in welcher Situation befindet sich der Designer? Wieviel Funktion »erträgt« ein Gegenstand? Kann gar eine Regel definiert werden, die Komplexität aus der Sicht des Benutzers bewertbar macht? Um daraus die Frage »Wieviel Funktion »erträgt« der Benutzer?« beantworten zu können. Die beschriebene Arbeit betrachtet daher den aktuellen Stand der verfügbaren elektronischen Konsumgüter und zugehörigen Services aus der Sicht eines Gestalters und gleichzeitig aus der Sicht eines Benutzers.

 

Der französische Philosoph Gilles Deleuze definiert Barock durch »die Spaltung zwischen der Fassade und dem Inneren«, wobei er annimmt, dass »die Dekoration Gefahr läuft, das Innere zu sprengen«. Die gleiche Gefahr der Sprengung besteht beim Technikbarock. Eine Vielzahl nicht notwendiger Funktionen droht, die einzelne Funktion zu schwächen und gleichzeitig dem Nutzer die Bedienung des Gerätes zu erschweren.

 

Aufgabe der Funktions- wie des Interface-Designs muss es sein, diese Gefahr zu erkennen und auf sie zu reagieren. Dem Barock ist es laut Deleuze gelungen, das Innere unversehrt zu belassen, egal wie kompliziert die Dekoration auch sei. Im Zeitalter des Technikbarock muss es entsprechend gelingen, die optimale äußerliche Nutzung der »inneren« Funktionen zu gewährleisten.

 

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